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Hildegard und die Rohkost

In ihrem medizinischen Werk von den Ursachen und Behandlung der Krankheiten schreibt Hildegard:

„Wenn ein Mensch rohe Äpfel oder Birnen oder rohes Gemüse

oder sonstige ungekochte Speisen genossen hat,

die weder auf dem Feuer noch mit irgendeinem Gewürz zurechtgemacht waren,

so können diese in seinem Magen nicht leicht fertiggekocht werden,

weil sie vorher nicht zurechtgemacht waren.“

Im Unterschied zu vielen anderen Naturheilverfahren vermeidet die Hildegard-Heilkunde die Rohkost. Viele Rohköstler leiden unter Darmgasen, Durchblutungsstörungen, z.B. Gedächtnisstörungen, weil der Kopf durch Rohkost schlecht durchblutet wird. Die natürliche Darmflora wird durch Rohkost geschädigt. Es siedeln sich Fäulniserreger an, auch bilden sich Pilzinfektionen, wodurch speziell das Abwehrsystem leidet. Darüber hinaus enthält die ungekochte „Vollwertkost“ Kleie aus Phytin, das erst durch den Back- oder Kochvorgang gespalten wird. Phytin blockiert die Aufnahme von Mineralien, Spurenelementen und Vitaminen. Gelangen unverdaute Pflanzenreste in den Dickdarm, so fördern sie das Wachstum von Fäulniserregern, die große Gasmengen produzieren. Dieser Vorgang kostet dem Körper viel Energie. Unter Rohkost leidet auch die Milz, sie kann sich vergrößern, entzünden und Herzschmerzen zur Folge haben. Man kann dem entgegenwirken durch Maronengerichte, Griechenkleetabletten und Griechenkleegewürzmischung. Nach Hildegard ist das Kochen aller Speisen, wozu auch die Zubereitung von Blattsalaten durch Beizen mit Essig, Salz und Öl gehört, eine notwendige Voraussetzung für eine gute Verdauung. Z. Bsp. kann der Körper aus gekochtem Gemüse Carotinoide in viel größerer Menge aufnehmen als aus rohem. Die Hitze führt entgegen landläufiger Meinung nicht zur Minderung von Vitaminen, sie hilft die Nahrung zu entgiften. Während des Essens stets ausreichend trinken, damit Verdauung und Durchblutung funktionieren. In der Hildegardküche gibt es eigentlich nur wenige Einschränkungen. Keine Aussagen können zu den erst nach Hildegard in Europa eingeführten Lebensmitteln, wie Kartoffeln oder Tomaten (Nachtschattengewächse) gemacht werden. Hier muss man auf gute moderne Ernährungsliteratur zurückgreifen.

Bei unserem althergebrachten heimischen Obst und Gemüse macht Hildegard 4 Ausnahmen:

 

Die Küchengifte

Erdbeeren – Pfirsiche/Pflaumen – Lauch

Erdbeeren

„Erdbeeren führen zur Verschleimung und haben keine Heilkräfte in sich. Sie sind nicht verträglich, weil sie dicht über Erde in (Pilz)-fauler Luft wachsen“.

Unglaublich, was konnte Hildegard im 12. Jahrhundert über Pilzbefall und krebserregende Mykotoxine wissen, die durch Spritzinfektion die Erdbeeren verseuchen. Statistisch gesehen sind Allergien nach Erdbeergenuss im Mai/Juni besonders zahlreich.

Pfirsiche/Pflaumen

Pfirsiche lösen ebenfalls Allergien aus, weil sie – nach Hildegard – die gute

Säftemischung zerstören. Pflaumen vermehren die Melanche, die aus dem schwarzen Gallenfarbstoff Bilirubin und der Gallensäure beseht. Dadurch kommt es durch Übersäuerungsprozesse zu Entzündungen und Autoaggressionen.

Lauch

Lauch regt durch seinen hohen Schwefelgehalt die Leukozytenvermehrung an, was zu Eiterungsprozessen und Rheumaschüben führen kann. Lauch ist sozusagen ein Rheumalocker.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es bei Hildegards Empfehlungen nicht um ein völliges Vermeiden von rohen Speisen geht. Rohes soll nur einen kleinen Teil der Nahrung ausmachen. Also auch hier geht es wieder, wie stets bei Hildegard, um das richtige Maß. Die Zubereitung spielt eine große Rolle. Das Durchziehen in einer guten Salatsoße „beizen“ erleichtert das Herauslösen der Nährstoffe aus dem rohen Gemüse wesentlich. Hildegard empfiehlt, zu allem Rohen ein Stück Dinkelbrot zu kauen, da dies die Säfte aufsaugt und die Verdauung erleichtert.

Macht Rohkost krank?

Von Hildegard wissen wir, dass Speisen stets in gegartem Zustand gegessen werden sollen. Anhänger des Rohkostgenusses standen dieser Forderung der Volksheiligen stets skeptisch gegenüber. Ein neuer Forschungsreport „Ernährung und Krebs“ von Ulrike Gonder Dipl.oec.troph. von dem in natur & kosmos, 9, 17, 1999 berichtet wird stützt die Ernährungshinweise der Hildegard von Bingen. Hier ein Auszug aus dem Bericht:

Das Ergebnis des Forschungsberichts vorweg zitiert:
Rohkost macht krank!
Die Palette der Symptome, die rohe Pflanzenkost verursachen kann, reicht von Blähungen über schwere Darmschäden, das Aussetzen der Monatsregel bis zu Zahnerosionen, Gelenkschäden und rheumatischen Beschwerden. Auch antibiotikaresistente Bakterien gelangen in erster Linie mit Rohkost in unseren Körper.

Handfeste seriöse, wissenschaftliche Belege für die Bekömmlichkeit unbehandelter Rohkost gibt es nach diesem Report nicht. Professor Karl Pirlet von der Universität Frankfurt:

Die Auswirkungen konsequenter Vollwerternährung kommen meist spät, der gesundheitliche Zusammenbruch oder früher Alterungsprozess manchmal erst nach 10 oder 20 Jahren.

Vor allem ist zu beachten, dass Pflanzen äußerst wehrhafte Kreaturen sind, die nicht nur Vitamine, Aminosäuren und Mineralstoffe enthalten, sondern auch eine ganze Batterie an weniger erfreulichen Abwehrstoffen erzeugen. Und die können ganz schwer im Magen liegen, denn mit ihrer Hilfe bekämpfen die Pflanzen naschhafte Feinde – egal ob Milben, Motten, Mäuse oder Menschen. Sie stumpfen beispielsweise die Beißwerkzeuge von Raupen mit ihren rauhen, silikathaltigen Blättern ab. Sie knacken die Panzer von Käfern mit Enzymen welche Chitin auflösen können. Oder sie vergiften ihre gefräßigen Feinde mit Diphenolen. Die Strategie der Pflanzen heißt:

Mache dich unbekömmlich! Bereite deinen Feinden Bauchschmerzen, dann lassen sie bald von dir ab, es sei denn es handelt sich um gesundheitsbewusste Menschen.

Im Getreide bremst z.B. das Phytin die Verwertung von Mineralstoffen, Spurenelemten und von Vitamin B1 im menschlichen Körper. Daneben hindern Enzyminhibitoren unsere Verdauungssäfte an der Arbeit. Folglich können wir die vielen wertvollen Substanzen aus dem rohen Korn gar nicht verwerten. Die nur teilweise verdaute Nahrung gelangt in die unteren Darmabschnitte, wo sich Myriaden von Bakterien und auch Pilze wie Candida über sie hermachen. Hier entpuppt sich das gesunde Frischkornmüsli als idealer Zuckerlieferant, der Candida & Co einen idealen Nährboden bietet – die Selbstvergiftung des Darms nimmt ihren Lauf.

Kochen und Backen haben einen biologischen Sinn. Erst mit ihrer Hilfe gelang es dem Menschen giftige und unbekömmliche Stoffe aus seiner Nahrung zu eliminieren. Wir nutzen das Feuer seit mindestens einer Million Jahren, um Speisen zu bereiten, seit 40ooo Jahren ist das Kochen üblich. Die Hitze führt entgegen landläufiger Meinung nicht nur zur Minderung von Vitaminen. Sie hilft die Nahrung zu entgiften, macht sie bekömmlicher und leichter verdaulich. Zum Beispiel kann der Körper aus gekochtem Gemüse Carotinoide in viel größerer Menge aufnehmen als aus rohem. Außerdem entstehen durch das Kochen neue gesundheitsfördernde Substanzen wie das ß-Ionon, ein potenter Krebsschutzstoff. Labortests zeigten, dass erhitzte Gemüse viel besser als rohe in der Lage sind, Schäden an den Genen zu verhindern.

Ernährung ist stets ein Kompromiss zwischen Vorteilen (Nährstoffen) und Nachteilen (Abwehrstoffen). Der Mensch muss deshalb selber herausfinden, welche Speisen den größten Nettonutzen bieten. Beachten wir hier die Ratschläge Hildegards, so sind wir auf diesem Weg schon ein gutes Stück vorangekommen.

Zum Schluss noch ein Original-Hildegard-Zitat aus Causae et Curae:

„Was ungekocht gegessen wird, kann nicht verdaut werden und bleibt wie ein toter Hund im Magen liegen, bis es verfault und wie ein verfaulter Dunghaufen stinkt.“

Literatur

Hildegard v. Bingen, Causae et Curae, Ursache und Behandlung von Krankheiten, Haug-Verlag 1992

Strehlow. W. Die Ernährungstherapie der Hildegard v. Bingen, Knaur 2009

Hildegard Zeitschrift 82/2002, Int. Ges. Hildegard, CH-6390 Engelberg

 

Verfasser: Dipl. Biologe Wolfgang Gollwitzer