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Bio-Andornkraut geschnitten, DE-ÖKO-006

Artikelnummer: 260

 

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Hildegard´s Physica, Capitel 1-33, vom Andorn

Hildegard schreibt: Der Andorn ist warm und hat genug Saft, und er hilft gegen verschiedene Krankheiten. Denn wer taube Ohren hat, der koche Andorn in Wasser und nehme ihn aus dem Wasser und lasse den warmen Dunst in seine Ohren dringen, und er lege ihn so warm um die Ohren und den ganzen Kopf, und er wird ein besseres Gehör erlangen. Und wer in der Kehle krank ist, der koche Andorn in Wasser und seihe das gekochte Wasser durch ein Tuch und füge zweimal soviel Wein bei und lasse das ganze nochmals aufkochen unter Beigabe von genügend Fett, und das trinke er oft und er wird in seiner Kehle geheilt werden (Dr. Hertzka´s berühmte Andornrahmsuppe). Aber auch wer Husten hat, der nehme Fenchel und Dill in gleichem Gewicht und er füge ein Drittel Andorn bei und er koche das mit Wein, dann seihe er es durch ein Tuch und trinke es und der Husten wird weichen. (Andornmischkräuter) Und wer kranke und gebrochene Eingeweide hat, der koche Andorn mit Wein unter Beigabe von genügend Honig. Und dieses Gekochte schütte er in einen Topf und trinke es oft abgekühlt und die Eingeweide werden geheilt.

In ihrem Lehrbuch „Causae et Curae“ beschreibt Hildegard unter den Stichworten „Vom Kopfschmerz durch Verqualmung des Magens“ eine weitere Anwendung des Andorns Wenn eine Speise, die einen verdorbenen Saft enthält, einem Menschen im Kopfe Schmerzen macht, soll er gleiche Gewichtsteile Salbei, Majoran und Fenchel nehmen und mehr als das Gesamtgewicht davon Andorn. Den zu einem Brei verriebenen Kräutern fügt er genügend Butter hinzu oder, wenn er diese nicht hat, mache er nach Zusatz von Fett aus diesem eine Salbe, reibe damit den Kopf ein und er wird sich besser befinden. Denn Salbei, Majoran und Andorn sind trockener Natur und trocknen deshalb die vorgenannten Säfte aus. Der Saft des Fenchels aber ist feucht, und dieser mildert die Wirkung der eingetrockneten Säfte. Daher erleichtern sie, wenn aus ihnen mit Butter oder Fett, die heilsam sind,eine Salbe bereitet wurde, den vorgenannten Kopfschmerz.

In seiner Großen Hildegard-Apotheke widmet Dr. Hertzka dem Andorn einen breiten Raum. Zu nächst interpretiert er „die kranken und gebrochenen Eingeweide“ und denkt dabei an Bindegewebsschwächen wie Eingeweideschwäche, Zwerchfellbruch, Gebärmutter- und Darmvorfall(Leistenbruch), Magensenkung oder Senkniere. Durch die Bitterstoffe des Andorns zieht sich das Bauchfell wieder zusammen und bei längerer Anwendung bei Bruchleiden werden die Schmerzen gelindert. Bei großen Brüchen oder bei Darmverschluss-Gefahr muss unter Schafgarbenschutz operiert werden. Schafgarbenschutz bedeutet 3 Tage vor bis 3 Tage nach der OP viel Schafgarbentee trinken und den Speisen zusätzlich Schafgarbenpulver beifügen. Für diesen Andornwein kocht man 5 Minuten lang 4 EL Andornkraut in 1 L Wein mit etwa 150 g Honig (ca. 7 - 8 EL). Die Abkochung wird nicht abgeseiht, man gießt jeweils nur so viel ab, wie man gerade trinken will. Normaldosis: täglich 3 - 4 Likörgläser (20 - 25 ml). Die Kur kann ein halbes Jahr dauern, dabei alle vier Wochen 1 Woche Pause einlegen. Im nächsten Andornkapitel geht es rund um die Grippe. Schnupfen, Halsweh, Husten, Heiserkeit. Dr. Hertzka kombiniert hier die Vorschrift mit Andorn, Dill und Fenchel gegen Husten mit derjenigen bei Heiserkeit. Hier empfiehlt Hildegard Königskerzenblüten. 3 EL dieser Andornmischkräuter (Andorn, Fenchelsamen, Dill und Königskerzenblüten) werden in½ L Wein 5 Minuten gekocht und danach abgeseiht. In einer Thermoskanne warm halten und alle 3 Stunden eine halbe Tasse davon trinken, Kinder die Hälfte. Bei Fieber empfiehlt Dr. Hertzka zusätzlich den Meisterwurzwein oder Galgantwasser (3 Galganttabletten in einer Tasse warmem Wasser aufschwemmen). Eine weitere wichtige Anwendung ist die Andornrahmsuppe bei Rachenkatarrh, Entzündungen der Mandeln, Nebenhöhlen und Luftwege. Einen EL Andornkraut mit 150 ml Wasser aufkochen, 5 Minuten ziehen lassen und abseihen. Dem „Andorntee“ ¼ L Wein und 1 EL Butter oder Sahne zufügen, nochmals kräftig aufkochen und auf 3 Portionenverteilt täglich warm trinken. Nach einer Woche sollten die Beschwerden nachlassen; wenn nicht, einen Arzt zu Rate ziehen.

Zum Schnupfen schreibt Hildegard, dass dies ein natürlicher Reinigungsvorgang sei, der nicht unterdrückt werden sollte. Würde ein Mensch eine derartige Reinigung unterdrücken, so würde er sich damit ebenso schaden, als wenn er Stuhl oder Harn bei sich behielte, sodass diese den Körper nicht rechtzeitig verlassen können.

Zum Schluss noch Hildegard´s erste Beschreibung der Anwendung von Andorn bei Schwerhörigkeit als Kopfpackung: Man kann eine Badehaube nehmen und die warmen Kräuter in einer Mullkompresse verpackt hineingeben, dazu 1EL Andornkraut in 100 ml Wasser aufkochen. Die Andorndämpfe dringen entzündungshemmend bis ins Innere des Ohres vor.

Botanik Der Andorn - auch Wießer Andorn oder Mariennessel genannt,Marrubium vulgare, englisch Common horehound, französisch Herbevièrge oder Marrube blanc gehört zur Familie der Lippenblütler (Labiatae). Aus dieser Familie wurde bereits der Lavendel, das Lungenkraut und der Quendel in der Pflanzenwelt behandelt. Die Herkunft des Namens Marrubiumliegt im Dunkel. Dass er sich von der östlich Roms liegenden alten Hauptstadt der Marser „Marruvium“ ableitet oder von den hebräischen Wörtern mar bitter und rob viel Saft ist bestenfalls Spekulation. Das lateinische Wort „vulgaris“ bedeutet„gemein“, gewöhnlich“ und wurde von Linnée in der Regel den bekanntesten Vertretern einer Pflanzengattung gegeben. Die Heimat des Andorns ist der Mittelmeerraum bis Zentralasien. In Mittel- und Nordeuropa ist er eingebürgert, in Amerika, Südafrika und Australien eingeschleppt. Der getrocknete Andorn stammt aus Wildsammlung oder Anbau in Südosteuropa, Frankreich und Marokko. In Deutschland zählt Andorn zu den geschützten Pflanzen und darf nicht gesammelt werden.

Kultur Andorn ist ein Hemikryptophyt, d.h. er überdauert als Staudeden Winter mit Knospen an der Erdoberfläche. Die krautige Blütenpflanze bevorzugt kalkhaltige, trockene, sonnige Standorte,Ödland, Schutt, trockene Weiden. Im deutschsprachigen Raum finden sich solche Standorte häufig in der Nähe ländlicher Ansiedlungen,so dass Marrubium vulgare auch als nitrophile (Stickstoff liebende) Dorfpflanze bezeichnet wird. In Deutschland steht die Pflanze allerdings auf der Roten Liste bedrohter Arten. Andorn ist leicht zu kultivieren. Entweder durch Kauf von Jungpflanzen oder durch Aussaat wie bei Küchenkräutern am Fensterbrett.*) Im Herbst lässt man das absterbende Kraut stehen, das schützt die Pflanze vor dem Zurückfrieren. Ab März kann dann bis auf verbliebenes Grün oder noch weiter zurück -geschnitten werden. So kann die Pflanze viele Jahre an gleicher Stelle kultiviert werden. Jetzt kann im Frühjahr auch durch Teilung vermehrt werden, wobei man die Stauden mit den spindelförmigen Wurzeln ausgräbt, vorsichtig trennt und umgehend wieder einsetzt.

Alle oberirdischen Pflanzenteile sind stark wieß-filzig behaart. Dies beruht auf einer dichten Anordnung von Trichomen (Wollhaaren) als Verdunstungsschutz (siehe mikroskopisches Schnittbild - Präparation und Aufnahme vom Verfasser).

Andorn Blatt quer mit i.d. Regel einzelligen Wollhaaren, v.a. auf der Unterseite, Dicke 0,02 mm Präparat: Wolfgang Gollwitzer Untersuchungen zur Ökologie der Pflanze auf den Böden ehemaliger Quecksilberminen in Spanien, zeigten, dass Andorn in der Lage ist, dieses Schwermetall ausverseuchten Böden zu extrahieren und damit zu deren Entgiftung beitragen kann. Obstzüchter haben entdeckt, dass Andorn schädliche Raupen und andere Insekten fernhalten kann, wenn er direkt unter Obstbäumen gepflanzt wird. Zur Teebereitung werden zu Beginn der Blütezeit im Juni die oberen Sprosse abgeschnitten, kleingeschnitten und an einem luftigen, dunklen trockenem Ort getrocknet und anschließend aromageschützt aufbewahrt. Einen knappen EL dieses Tees mit einer Tasse kochendem Wasser übergiessen,10 Minuten ziehen lassen, abseihen und mit Honig gesüßt möglichst heiß trinken. Inhaltstoffe Ätherische Öle,Diterpene mit verschiedenen Bitterstoffen der Labdanreihe, Gerbstoffe, Flavon-und Flavonol-Glykoside. An stickstoffhaltigen Verbindungen sind Cholin und Betonicin enthalten. Außerdem reichliche Mengen mineralischer Bestandteile, v.a. Kaliumsalze. Wie schon beim Enzian, ist auch beim Andorn der Bitterwert ein charakteristisches analytisches Merkmal, neben der in der Regelauch hier üblichen HPLC-Methode und der mikroskopischen Prüfung (HPLC= High Performance thin-Layer Chromatography -Hochleistungs-Dünnschicht-Chromatographie). Weitere Anwendungen Bereits ägyptische Priester verehrten die Pflanze unter dem Namen „Samen des Horus“ und setzten sie u.a. bei Atemwegserkrankungen ein. Dies blieb dann auch bis in die Neuzeit die Hauptindikation des Andorn. Aus den vielen mittelalterlichen Zeugnissen sei ein Gedicht auf den Andorn zitiert, das Walafried Strabo, Abt des Kosters Reichenau 827 verfasste: Soll ich den Andorn daneben erwähnen, das schätzbare, kräftig Wirkende Kraut, mag schärfer er zwar auch brennen im Munde Und im Geschmack sich weitunterscheiden von seinem Geruche? Duftet er süss, so schmeckt er nicht süss. Doch vermag er zu lindern Arge Beklemmung der Brust, geschluckt als bitteres Tränklein, Ganz besonders dann, wenn er heiss vom Feuergeschlürft wird Und man sich zwingt, nach dem Mahl davon becherweise zutrinken. Sollten dir Stiefmütter je feindselig bereitete Gifte Mischen in das Getränk oder trügen den Speisen verderblich Eisenhut mengen, so scheucht ein Trank heilkräftigen Andorns, Unverzüglich genommen, die drohenden Lebensgefahren. Neben dem St. Galler Klostergarten ist der„Hortulus“ des Inselklosters Reichenau, angelegt 820, eines der frühesten botanisch-pharmazeutischen Kulturdenkmäler des deutschen Mittelalters. Auf Grund der Bitterstoffe nimmt man an, dass Andorn anregend auf die Magensaftsekretion und Galleproduktion wirkt. Die Wirkungen der sehr alten und traditionsreichen Droge sind weitgehend nicht belegt, sind aber z.T. auf Grund der Inhaltsstoffe plausibel. So gelten heute als traditionelle Anwendungsgebiete: Appetitlosigkeit; dyspeptische Beschwerden wie Völlegefühl und Blähungen; Katarrhe der Luftwege. Wir sehen also auch hier wieder, wie die moderne Wissenschaft die Anweisungen Hildegards zumindest zum Teil bestätigt. Andorn war zu keinem Zeitpunkt weder hinsichtlich der therapeutischen Nutzung noch als Forschungsobjekt eine besonders wichtige Arzneipflanze. Umso erstaunlicher ist es, dass in den letzten Jahren wissenschaftliche Untersuchungen mit dieser Pflanze in stetig wachsender Zahl durchgeführt wurden. Sie sind ein Beispiel dafür, dass auch Forschung an bekannten Arzneipflanzen wichtig sein kann - auch oder gerade dann, wenn nicht nur „moderne“ kurzfristig interessierende Projektziele im Vordergrund stehen, sondern die Forschung insgesamt zum Erkenntnisgewinn und zu einem besseren Verständnis der Anwendung von Arzneipflanzen beträgt.

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